Nachrufe auf René Rechsteiner (1932-2021)

  • Nachruf von Hans Altherr
  • Nachruf von Dimitri Kindle
  • Nachruf von Thomas Schoch

Der Schachklub St. Gallen trauert um sein Ehren­mitglied René Rechsteiner, der über Jahrzehnte als Turnierleiter und Mannschaftsleiter diente.

René ist nicht mehr, am 7. Januar ist er gestorben. René war während Jahrzehnten die Seele und das Rückgrat unseres Schachklubs. Die Seele war er, weil er als Spielleiter an fast jedem Klubabend anwesend war, im Klublokal, im Hotel Ekkehard, als erster ankam, den Materialkasten öffnete, spielte, Turniere organisierte, ruhender Pol in manchmal emotionsgeladenen Stimmungen war, durchaus auch einmal mit schneidender Stimme für Stille sorgen konnte, und schliesslich als letzter das Spielmaterial versorgte und in den Westen der Stadt nach Hause ging.
Das Rückgrat war er, weil er als Mitglied des Vorstandes auch für das genannte Spielmaterial verantwortlich war, dieses immer in tadellosem Zustand hielt und eine Uhr zum Beispiel erst dann entsorgte, wenn sie wirklich nicht mehr reparabel war.
René war die Zuverlässigkeit in Person und ein guter Spieler, einer der nicht allzu Zahlreichen unter uns, der sich auch über eine Verlustpartie freuen konnte, wenn es eine inhaltsreiche und spannende war.
René war aber nicht nur Seele und Rückgrat, sondern Vielen von uns, auch mir, ein guter Freund. Wir werden ihn vermissen. Seinen Angehörigen sprechen wir unser tiefes Beileid aus und wünschen ihnen viel Kraft.   Hans Altherr

Der Schachklub St. Gallen trauert um sein Ehren­mitglied René Rechsteiner, der über Jahrzehnte als Turnierleiter und Mannschaftsleiter diente.

René Rechsteiner, ein geliebter Freund und Instanz in der Geschichte des Schachklubs St.Gallen ist am 7. Januar 2021 verstorben. René wurde 1992 Ehrenmitglied des Schachklubs St. Gallen. Er war 47 Jahre Mitglied im Klub, 34 Jahre Mannschaftsleiter und 20 Jahre Organisation der Stadtmeisterschaft, jene wäre ohne René undenkbar gewesen. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Turnier zum regionalen Ereignis. Bis zu 91 Spieler, so im Rekordjahr 1982, kämpften um Punkte und Titel. Der Schachboom in St. Gallen hielt nicht zuletzt dank ihm bis in die 1990er Jahre an. Renés Frau Miranda Rechsteiner war ebenfalls im Schachklub aktiv. Als der Schachklub St. Gallen 1962 zum 100-Jahr-Jubiläum ein Schweizerisches Turnier mit über 300 Spielerinnen und Spielern organisierte, siegte Miranda in der Kategorie der Damen, worauf auch René sehr stolz war. Dimitri Kindle

Der Schachklub St. Gallen trauert um sein Ehren­mitglied René Rechsteiner, der über Jahrzehnte als Turnierleiter und Mannschaftsleiter diente.

Etwa 1985 wurde im Schützengarten ein Schachkurs für Kinder veranstaltet, an dem ich teilnahm. Bei Ankunft fanden meine Mutter und ich zwei Räume mit jeweils einem Trainer vor. Als wir fragten, zu wem ich müsste, antwortete einer dieser Trainer: "Ist egal. Wer Dir sympathischer ist!" Er war mir sympathischer; es war René.
Darauf ging ich regelmässig ins Hotel Ekkehard, wo der Klub damals ansässig war. Obschon zu dieser Zeit jemand anderes Präsident war, organisierte und managete René den Verein. Unvergessen bleiben die grünen Moltonwände, wo er jeweils mit Karton die Partien der neuesten Runde anschlug. Was für eine Arbeit dahintersteckte, realisierte ich erst später.
René war ein aufgeschlossener und geselliger Typ, der bei einem Punkt keinen Spass verstand. Wahrscheinlich hallt heute noch sein Ausruf "Figuren aufstellen" durchs alte Gemäuer des Ekkehards. Er ermahnte Kinder und Grossmeister in gleichem Ton, nach Ende einer Partie die Figuren zur Materialkontrolle aufzustellen.

René war auch mein erster Mannschafts­leiter. Die Aufgebote wurden 4-6 Mal per Schreibmaschine geschrieben; von Kopien hielt er lange nichts. Neben seiner tadellosen Leistung als Mannschaftsleiter hinterliess er auch hier seine Duftnote: Wer erinnert sich noch an die Unterschrift "Euer Alter. R.R."? Die Mannschaftsspesen wurden jeweils Ende Jahr "verfressen", wie er es nannte und das Team traf sich in einem Restaurant. Natürlich reichte das Budget nicht aus, so dass René oft feierlich erklärte, seine Frau Miranda hätte noch einen Batzen gespendet.

Neben dem Schachklub wurde auch einmal pro Woche geblitzt. Lerchenfeld, Linde, Schlüssel, Seeger... René war überall anzutreffen.

René war Gärtner von Beruf, aber auch nach seiner beruflichen Laufbahn wurde man am Telefon jeweils liebevoll von seiner Frau vertröstet: "Moment, ich rufe ihn, er ist im Garten". Nach seiner Aktivzeit besuchte er als Gast die Spiele "seines" Teams. René freute sich vielfach mehr über einen Sieg, als wir selbst.

So war er. Seine Freundschaft, sein Respekt, seine Unkompliziertheit und sein unglaubliches Organisationstalent werden mir stets in bester Erinnerung bleiben.
Danke für alles René! Deine grosse Leistung für den Schachklub St.Gallen ist kaum zu übertreffen.

Ich möchte mit den Worten in seiner Todesanzeige schliessen: Nun bist Du wieder bei Deiner geliebten Miranda.   Thomas Schoach