Wer sich im Schachspiel um 100 bis 200 Elopunkte ver­bessern will, muss viel Zeit investieren. „Über sechs bis zwölf Monate täglich etwa zwei bis drei Stunden“, erläu­terte Milan Novkovic in sei­nem Vortrag im Schachklub St. Gallen zum Thema „Wie wird man besser in Schach? Training planen und umset­zen“. Eine einerseits ernüch­ternde Erkenntnis - so viel Aufwand! - andererseits auch tröstlich für die meisten der 15 Zuhörer, denn eine stag­nierende oder leicht fallende Spielstärke ist für Erwach­sene ohne solchen Trainings­fleiss normal.
Wer ein höheres Niveau er­klimmen möchte, für den hatte Milan Novkovic, A-Trai­ner und Internationaler Meister, einen dreistufigen Plan parat. Wo stehe ich? Was sind meine Stärken, was sind meine Schwächen? Diese Überlegungen stehen am Anfang. Nach Milans Erfah­rung schätzt sich kaum

IM Milan Novkovic beim Vortrag zum Schachtraining

ein Spieler selbst richtig ein. Etwa 20 Partien mit Erläu­terungen des Spielers zu seinen Zügen brauche ein Trainer, um sich ein Bild zu machen. Im zweiten Schritt, dem Training, sollte der Schwerpunkt zu 80% auf den Schwächen liegen, empfahl der St. Galler Spit­zen­spieler. Ob man mit Büchern oder DVDs trainiere, allein oder zu zweit, sei nachrangig. Drei bis vier gute Bücher genügen, entscheidend sei die Inten­si­tät. „In den zwei bis drei

Trainingsstunden darf es nur um Schach gehen - keine Ablenkungen“.
Das Mehr an Wissen schlage sich nicht sofort in Erfolgen nieder. „Die meisten stagnieren erst weiter oder werden sogar etwas schlechter. Aber nach Wochen oder Monaten kommt der Sprung auf ein höheres Niveau“, so Milans Beobachtung. „Das Mehr an Wissen erschwert vermut­lich erst die Zugauswahl“, erklärte sich Junioren­trainer Michael Nyffen­egger die erst fortlaufende Stagnation.
Die dritte Stufe für das höhere Niveau betrifft die Spielpraxis. „Man muss sich dann mit stärkeren Spielern messen. Es hilft nicht weiter, Schwächere zu schlagen. Hingegen lernt man viel von stärkeren Spielern und aus eigenen Fehlern gegen starke Kontrahenten.“ Kasparow und Karpow seien in ihren WM-Duellen in den 80er- und 90er-Jahren anein­ander gewachsen. „Sie haben weit mehr als 100 WM-Partien auf höchstem Niveau gespielt und sich gegenseitig genauestens studiert. Und so viel voneinander gelernt“, erläuterte Milan. Letzlich sei aus dem 1.d4-Spieler Kasparow ein e4-Spieler geworden und umgekehrt aus dem 1.e4-Spieler Karpow ein d4-Spieler. Frank Wittenbrock